Dass Car Sharing in Ballungsräumen für Viele das private Fahrzeug überflüssig macht, scheint unbestritten, vielleicht auch aus Gewohnheit. Das genossenschaftlich organisierte Unternehmen mobility mit seinen in 500 Gemeinden stationierten roten Autos ist als Bestandteil der Schweizer Mobilität nicht mehr wegzudenken.

Vor kurzem hat mobility einen neuen Service lanciert, «Catch a Car» - exklusiv in Basel, eine Testphase über zwei Jahre, wissenschaftlich begleitet von ETH. An die Hundert weisse Autos mit dem auffälligen Logo an den Seiten stehen nun im Stadtgebiet von Basel verteilt.

Das Besondere: Ist das gewohnte mobility-Angebot an bestimmte Standorte gebunden, an denen man das Fahrzeug abholen und wieder abstellen muss, ist «Catch a Car» ein sogenannter «Free-Floating-Dienst». Per Smartphone-App lokalisiert man das nächstgelegene Auto und reserviert es (vorausgesetzt man hat sich für 20 Franken vorher angemeldet): Reservierungsgebühr 27 Rappen pro Minute. 37 Rappen pro Minute kostet dann die eigentliche Fahrt (Zwischenstopps 27 Rappen). Das Auto wird dann einfach am Ankunftsort (im Stadtgebiet) abgestellt.
Vorteil also von «Catch a Car» gegenüber «Normal-mobility»: Man darf das Auto überall in der Stadt abstellen, selbst in der blauen Zone - die Parkkarte liegt dem Auto bei.

Das BVD geht davon aus, dass diese Art von Car Sharing sehr gut zu Basel passe und hofft, dass dadurch die schon hohe Quote von 55 Prozent Basler Haushalte ohne Auto noch weiter erhöht werden kann.
Ganz so einfach ist dies aber nicht. Es gibt genügend ernst zu nehmende Stimmen, die dem Car Sharing an sich die "Nachhaltigkeit" absprechen. Ebenso kürzlich publizierte der Spiegel Online einen Artikel über eine Studie der civity Management Consultants, einem deutschen Beratungsunternehmen für öffentliche Dienstleistungen: «Urbane Mobilität im Umbruch?», in der das Unternehmen deutsche Car-Sharing-Angebote wie Car2Go von Daimler oder DriveNow von BMW untersucht haben. Deren Beobachtungen hat Spiegel Online zusammengefasst:

  • Car-Sharing-Autos werden kaum mehr gefahren als Privatautos, seien also ebenso zum grössten Teil «Stehzeuge».
  • Die zurückgelegten Entfernungen mit Car-Sharing-Atos seien gering; sinnvoller wäre es, die kurzen Entfernungen ohne Auto, zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit den Öffentlichen zurückzulegen.
  • Car-Sharing würde vor allem in der Freizeit genutzt, trage also nicht zur Verkehrsentlastung zur Hauptverkehrszeit im Berufsverkehr bei.

Catch a car-fahrzeug in der Wettsteinallee im Sommer 2014

Man wird sehen, was aus den kleinen weissen Autos in Basel wird. Eine geschlagene Woche bis zum Verfassen dieses Beitrags scheint sich zumindest das hier abgelichtete Fahrzeug nicht von seinem Abstellort in der Basler Wettsteinallee wegbewegt zu haben.

Und auch über ein jüngst gestartetes Car-Sharing-Angebot «der anderen Art» fragt man sich, was daraus wird und wie nachhaltig es wirklich ist, basiert es doch ebenso auf dem Konzept des klassischen Individualverkehrs: www.sharoo.com:
Man vermietet sein eigenes Fahrzeug, wenn man es nicht benötigt, indem man es in die Online-Plattform von sharoo einstellt. Dort ist es per Smartphone zu den angegebenen Zeiten für die angemeldeten Mieter verfügbar.

Sinnvoll, nicht sinnvoll, nachhaltig? Lieber zu Fuss oder mit dem Rad, mit Bus oder Tram von A nach B?
Die Nutzung und die Diskussion ist eröffnet.

Weitere Informationen

(rr)



 

comments powered by Disqus