Baselstädtische Energiestrategie

Verabschieden sich AUE und IWB von der 2000-Watt-Gesellschaft?

11.2.2013    

Der Sonntag berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass die IWB (Industriellen Werke Basel) das Projekt, auf der Chrischona Windräder zur Energieerzeugung errichten zu wollen, aufgegeben haben. Die Auswertungen der neuesten Messungen hätten gezeigt, dass der Standort Chrischona für einen Windpark nicht gut genug wäre.
Damit würde sich der Fokus für regenerative Energien der IWB weiter ins Ausland verlagern, spekuliert Der Sonntag. Und in der Tat verstärkten die IWB in der Vergangenheit ihre Auslandsaktivitäten - zum Beispiel mit dem Kauf eines Windparks in Sachsen-Anhalt, Deutschland (siehe Medienmitteilung vom 2. Februar: "IWB kaufen weiteren Windpark in Deutschland").

Der Artikel im Sonntag gibt zu bedenken, dass die IWB schon heute Basel mit regenerativen Energien vollständig versorgen, und fragt sich, wozu dieser weitere Ausbau notwendig sei, wenn nach den Vorstellungen der 2000-Watt-Gesellschaft, die die IWB auch unterstützen, der Strombedarf in Zukunft sinken soll.

"Bis 2050 rechnen wir trotz Energieeffizienz mit einem um 25 Prozent höheren Stromverbrauch". Deshalb würde die Energieproduktions-Kapazität ausgebaut - wird Erik Rummer, Projektleiter Kommunikation der IWB, zitiert. Und auch Jürg Hofer, Leiter des Amts für Umwelt und Energie (AUE), kommt zu Wort: "Das in der Studie aufgezeigte Szenario eines sinkenden Stromverbrauchs ist unrealistisch."
Die genannte Studie ist die für die baselstädtischen Ziele hin zur 2000-Watt-Gesellschaft grundlegende Studie von 2009-2011 von Professor Dieter Genske der Fachhochschule Nordhausen / Universität Liechtenstein (siehe Link zur Studie für die zusammenhängenden Informationen).

Erstaunliche Aussagen vor dem Hintergrund, dass der Kanton zusammen mit der ETH seit 2005 Projekte unter dem Siegel «2000 Watt-Gesellschaft – Pilotregion Basel: Praxislabor der Nachhaltigkeitsforschung» finanziert und durchführt, und der Grosse Rat just in diesem Jahr weitere 2,6 Mio. Franken Kredit für weitere Projekte bis in Jahr 2016 gesprochen hat.

Weniger erstaunlich allerdings, wenn man sich vergegenwärtigt, um was es bei den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft insgesamt geht:

  • den Primärenergiebedarf auf 2000 Watt Dauerleistung pro Person zu reduzieren,
  • die Senkung des Anteils an fossilen Energieträgern auf 500 Watt pro Person (drei Viertel des Energiebedarfs sollen also mit erneuerbaren Energien gedeckt werden),
  • den Treibhausgas-Ausstoss auf 1 Tonne CO2-Äquivalente pro Person und Jahr zu reduzieren und
  • eine globale Gerechtigkeit beim Energieverbrauch zu erzielen.

Primärenergiebedarf und Stromverbrauch hierbei gleich zu setzen wäre zu kurz gedacht.
Denn der Ersatz von nicht erneuerbaren, fossilen Energiequellen wie zum Beispiel Öl und Gas wird wohl über die Produktion von Strom aus erneuerbaren Quellen geschehen müssen - trotz aller möglichen Effizienzmassnahmen.

Weitere Informationen



 

comments powered by Disqus