Parkieren und Nachhaltigkeit

Unterirdisches Landhof-Parking nimmt die erste Hürde

7.9.2017    

Wie Ende Juni per Medienmitteilung des Regierungsrats Basel-Stadt bekannt wurde, hat die Bau- und Finanzgesellschaft Zum Greifen AG den Zuschlag erhalten, unter dem Landhof ein Quartierparking zu bauen und zu betreiben (Medienmitteilung vom 27. Juni 2017). Immobilien Basel-Stadt wurde beauftragt, mit der Zum Greifen AG einen Baurechtsvertrag auszuhandeln. Der nächste Schritt dürfte das offizielle Baugesuch für das Landhof-Parking sein.

Laut Bau- und Verkehrsdepartement (und der von ihr in Auftrag gegebenen Untersuchung durch die Rapp AG) hatte in den letzten Jahren die Parkplatznachfrage im Quartier vor allem zu Spitzenzeiten markant zugenommen. Die Ausschreibung für das Parking erfolgte dann im 2016. Die den Zuschlag erhaltende Zum Greifen AG soll der einzige Bewerber gewesen sein. Sie betreibt bereits das Parkhaus Claramatte.

Sollte das Projekt wie vermutet realisiert werden, würden mit dem Quartierparking unter dem Landhof auf einen Schlag 200 neue Parkplätze entstehen, die nur für die Anwohner/Quartiersbewohner gedacht sind. Das Umweltgesetz, das eine Kompensation von überirdischen Parkplätzen vorsieht, dürfte per Ausnahmeregelung nicht angewendet werden. Dies bedeutet: oberirdisch würden im Quartier keine Parkplätze aufgehoben werden.
Die Parkplätze sollen für maximal 170 Franken (plus/minus 10 Prozent) monatlich an Quartierbewohner vermietet werden (BAZ-Artikel, 4.7.2016).

Für den Bau des Quartierparkings werden maximal 1.7 Millionen Franken aus dem Pendlerfonds zur Verfügung gestellt. Der Pendlerfonds dient dem Kanton zur Mitfinanzierung von „Parkierungsanlagen und Massnahmen zugunsten eines umweltverträglichen Pendlerverkehrs“, grundsätzlich wenn „diese Projekte zu einer dauerhaften Reduktion der Verkehrsleistung des motorisierten Individualverkehrs im Kanton beitragen oder den Parkierdruck auf Allmend reduzieren“ (Verordnung über den Pendlerfonds – 780.300).

Zwar muss der Baurechtsvertrag noch ausgehandelt und das konkrete Baugesuch noch eingereicht werden, d.h. Einzelheiten über Ausmass und Form des Parkings sind noch nicht bekannt. Überraschungen in Richtung einer Förderung von nachhaltiger Mobilität dürfte es aber mit dem geplanten Parking nicht geben.

wettstein21 steht weiterhin zu seiner Haltung (siehe Beitrag auf der Website vom August 2015), dass ein solches Quartierparking unter dem Landhof verkehrspolitisch für das Quartier wenig Sinn macht und umweltpolitisch die Weichen in die falsche Richtung stellt. Verspricht es vordergründig die Linderung des „Parkierdrucks“ im Quartier, der auch nur zu Berufspendler-Spitzenzeiten und bei besonderen Anlässen zu bestehen scheint, wird es eher die Zunahme des Verkehrs ins Quartier fördern. Dass die Mobilität sich in den nächsten zwei Jahrzehnten radikal ändern muss und wird – weg vom motorisierten Individualverkehr, weg von mit Benzin, Diesel oder Gas betriebenen Motoren, hin zu umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Mobilitätslösungen –, trägt dieses Bauprojekt nicht im geringsten Rechnung.

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